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Fachwissen · Baumkontrolle und Baumgutachten

Baumpilze erkennen: Was Pilzbefall für die Sicherheit eines Baumes bedeutet

Ein Pilz am Baum wirft Fragen auf: Welche Art ist es? Beeinträchtigt der Befall die Stand- oder Bruchsicherheit? Kann der Baum erhalten bleiben? Erfahren Sie, welche Merkmale wichtig sind und wann eine fachliche Untersuchung erforderlich ist.

Von Alexander Kraus Veröffentlicht: 19. Oktober 2026 13 Min. Lesezeit

Ein Pilz am Stamm, ein großer Fruchtkörper am Stammfuß oder mehrere Pilzhüte über einer Wurzel werfen schnell Fragen auf: Ist der Baum krank? Kann er umstürzen? Muss er gefällt werden? Holzabbauende Baumpilze können die Stand- und Bruchsicherheit erheblich beeinträchtigen. Aus dem sichtbaren Pilz allein lässt sich jedoch weder eine unmittelbare Gefahr noch die Notwendigkeit einer Fällung ableiten.

Für eine belastbare Bewertung müssen Pilzart, Baumart, Befallsstelle und Zustand des gesamten Baumes zusammen betrachtet werden. Eine dicht belaubte Krone gibt dabei keine Entwarnung: Ein Baum kann noch gut mit Wasser versorgt sein, während tragende Bereiche im Stamm oder an den Wurzeln bereits geschädigt sind. [1–3]

Baumpilze an einem Totholzstamm mit Pilzfruchtkörper

Was sind Baumpilze – und was ist ein Baumschwamm?

„Baumpilze“ ist eine Sammelbezeichnung für Pilze, die an Bäumen beziehungsweise an deren Holz vorkommen. Im Zusammenhang mit der Baumkontrolle sind vor allem holzabbauende Arten wichtig. Sie können abgestorbenes Holz zersetzen, aber auch lebende Bäume besiedeln und dort Fäulen verursachen.

Was außen als Pilzhut, Konsole oder Kruste sichtbar wird, ist der Fruchtkörper. Der eigentliche Pilz besteht aus einem Geflecht feiner Pilzfäden, dem Myzel. Dieses kann sich im Holz ausbreiten, bevor ein Fruchtkörper auffällt. Das Datum der ersten Entdeckung ist deshalb nicht mit dem Beginn des Befalls gleichzusetzen.

Als Baumschwämme werden häufig die konsolen- oder hufförmigen Fruchtkörper holzbewohnender Pilze bezeichnet. Der umgangssprachliche Name sagt noch nichts darüber aus, welche Art vorliegt und welche Folgen sie für den Baum hat. Auch die Größe eines Fruchtkörpers ist kein verlässliches Maß für das Ausmaß einer Fäule. [1, 4]

In der Natur übernehmen holzabbauende Pilze wichtige Aufgaben beim Abbau organischer Substanz. An einem Straßenbaum, neben einem Gebäude oder über einem Aufenthaltsbereich stellt sich zusätzlich die Frage, ob der Baum seine Lasten weiterhin sicher tragen kann. Die ökologische Bedeutung eines Pilzes und seine Auswirkungen auf die Baumsicherheit sind daher getrennt zu beurteilen.

Baumpilze bestimmen: Welche Merkmale sind wichtig?

Wer Baumpilze erkennen möchte, sollte mehr als die Farbe der Hutoberseite betrachten. Ein junger, frischer Fruchtkörper kann erheblich anders aussehen als ein vertrocknetes oder bereits zerfallendes Exemplar derselben Art. Manche Fruchtkörper bleiben über Jahre erhalten, andere sind nur für eine begrenzte Zeit sichtbar. [1]

Für die Bestimmung sind insbesondere folgende Angaben hilfreich:

  • Baumart: Welche Baumart ist betroffen? Viele Pilze haben typische Wirtsbeziehungen, kommen aber auch an anderen Baumarten vor.
  • Fundstelle: Wächst der Fruchtkörper am Ast, am Stamm, am Stammfuß, an einer sichtbaren Wurzel oder scheinbar aus dem Boden?
  • Form und Anordnung: Ist er hutförmig, konsolenförmig, krustenartig oder in Büscheln angeordnet?
  • Unterseite: Sind Poren oder Lamellen erkennbar? Welche Farbe und Struktur haben sie?
  • Entwicklungszustand: Ist der Fruchtkörper frisch, verholzt, vertrocknet oder zerfallen?
  • Begleitbefunde: Gibt es Wunden, Höhlungen, abgestorbene Rindenpartien oder auffällige Veränderungen an den Wurzelanläufen?

Ein einzelnes Foto von oben reicht häufig nicht für eine sichere Artbestimmung. Aussagekräftiger sind eine Gesamtaufnahme des Baumes, ein Bild der Fundstelle und mehrere Detailaufnahmen einschließlich der zugänglichen Unterseite. Nicht erreichbare Fruchtkörper sollten dafür nicht eigenständig erklettert werden.

Eine Bildbestimmung liefert zunächst eine Arbeitshypothese. Lässt sich der Pilz nicht ausreichend sicher zuordnen, muss diese Unsicherheit in die weitere Untersuchung einfließen. Selbst eine zutreffende Pilzbestimmung ersetzt noch keine Bewertung der Stand- oder Bruchsicherheit. [1, 5]

Weißer Pilz auf grünem Gras

Wichtige Baumpilze und ihre Bedeutung für die Baumkontrolle

Die folgenden Beispiele zeigen typische Merkmale und Untersuchungsfragen. Sie sind keine vollständige Bestimmungshilfe und erlauben keine abschließende Sicherheitsbewertung eines einzelnen Baumes.

Schwefelporling: auffällige Fruchtkörper, mögliche Schäden im Innern

Der Schwefelporling (Laetiporus sulphureus) bildet im frischen Zustand auffällige gelbe bis orangefarbene, häufig übereinander angeordnete Hüte. Ältere Fruchtkörper verblassen und werden spröde. Er kommt unter anderem an Eiche, Robinie, Kirsche und Weide vor.

Der Pilz verursacht eine Braunfäule. An betroffenen Bäumen können Stamm und stärkere Äste geschädigt sein. Gerade bei Kernholzfäulen kann die Krone weiterhin gut versorgt werden. Für die Beurteilung ist deshalb wichtig, wo sich die Fäule ausbreitet und welche tragenden Bereiche betroffen sind. [1, S. 22–24]

Zunderschwamm: ein klassischer Baumschwamm

Der Zunderschwamm (Fomes fomentarius) ist an seinen meist hufförmigen, mehrjährigen Fruchtkörpern erkennbar. Er tritt besonders an Buche und Birke auf und verursacht eine Weißfäule.

Fruchtkörper an einem stehenden Baum geben Anlass, den betroffenen Stamm- oder Astbereich genauer zu betrachten. Dabei werden auch alte Verletzungen, weitere Fruchtkörper und mögliche Auswirkungen auf die Bruchsicherheit berücksichtigt. [1, S. 32–34]

Birkenporling: ein wichtiger Befund an Birken

Der Birkenporling (Fomitopsis betulina, syn. Piptoporus betulinus) bildet zunächst helle, später eher ocker- bis graubraune, konsolenartige Fruchtkörper mit heller Porenunterseite. [10] Seine enge Bindung an Birken erleichtert die Einordnung, ersetzt aber nicht die Prüfung der übrigen Merkmale.

Er verursacht eine Braunfäule und ist vor allem an stark geschwächten, absterbenden oder abgestorbenen Birken bedeutsam. Fruchtkörper am Stamm einer stehenden Birke sind daher ein ernst zu nehmender Untersuchungsanlass. [1, S. 14–15]

Lackporlinge: Stammfuß und Wurzeln im Blick behalten

Bei den Lackporlingen (Ganoderma spp.) sind mehrere Arten zu unterscheiden. Die Bezeichnung bedeutet nicht, dass jede Art eine auffällig glänzende Hutoberfläche besitzt. Häufig fallen konsolenartige Fruchtkörper am Stammfuß oder im Wurzelbereich auf.

Lackporlinge können erhebliche Weißfäulen verursachen. Sowohl die Verankerung im Boden als auch die Tragfähigkeit des unteren Stammes können betroffen sein. Zuwachs und Reaktionen des Baumes sind bei der Beurteilung wichtig; ein kräftiger Stammfuß allein beweist jedoch keine ausreichende Sicherheit. [1, S. 38–42; 2]

Baumstamm mit Pilz und Erde

Riesenporling: große Fruchtkörper, verdeckte Wurzelschäden

Der Riesenporling (Meripilus giganteus) bildet große Gruppen fächerförmiger Hüte. Besonders häufig wird er an Buchen gefunden. Die Fruchtkörper können am Stammfuß, aber auch in einiger Entfernung davon über dem Wurzelbereich erscheinen.

Der Riesenporling verursacht eine Weißfäule; er kann auch Moderfäule hervorrufen. Für die Baumkontrolle sind Schäden an den Wurzeln entscheidend. Diese können an deren Unterseiten oder in tieferen Bereichen liegen, während oberflächennahe Abschnitte noch unauffällig wirken. Eine gut belaubte Krone schließt solche Schäden nicht aus. Ebenso wenig lässt sich aus der Größe des Fruchtkörperhorstes unmittelbar die verbleibende Standsicherheit ablesen. [1, S. 54–57; 3]

Brandkrustenpilz: leicht zu übersehen

Der Brandkrustenpilz (Kretzschmaria deusta) bildet keine großen Pilzhüte. Seine flächigen Fruchtkörper sitzen häufig am Stammfuß und zwischen den Wurzelanläufen. Frische Stadien können hellgrau mit weißlichem Rand erscheinen; ältere bilden dunkle, krustenartige Strukturen.

Der Brandkrustenpilz verursacht eine Moderfäule, die die Holzfestigkeit im Wurzelstock und im unteren Stamm erheblich beeinträchtigen kann. Gerade die unscheinbaren Fruchtkörper und eine möglicherweise noch gut entwickelte Krone erschweren die Einschätzung. Der Befund verlangt daher besondere Aufmerksamkeit und eine zum Schadbild passende Untersuchung. [1, S. 43–46]

Zottiger Schillerporling: Baumart und Befallsstelle entscheiden mit

Der Zottige Schillerporling (Inonotus hispidus) bildet zunächst gelblich bis rostbraun gefärbte, an der Oberseite zottige Konsolen. Alte Fruchtkörper können dunkel und spröde werden. Er ist unter anderem an Esche und Platane, aber auch an Obst- und Walnussbäumen zu finden.

Der Zottige Schillerporling verursacht überwiegend Weißfäule, kann je nach Baumart und Bedingungen aber auch Moderfäule hervorrufen. Zusätzlich können Schäden an der lebenden Gewebeschicht unter der Rinde auftreten. Die Wirkung des Pilzes unterscheidet sich je nach Baumart. Deshalb darf eine Beurteilung an einer Platane nicht ohne Weiteres auf eine Esche übertragen werden. [1, S. 28–31]

Hallimasch: mehr als ein Pilz mit Hut und Stiel

Hallimasch (Armillaria spp.) bildet häufig Gruppen gestielter Pilzhüte im unteren Stammbereich oder über Wurzeln. Zu den wichtigen Befundmerkmalen zählen außerdem dunkle, strangartige Rhizomorphen und weißliches Pilzgeflecht unter bereits abgelöster Rinde. Zur Suche danach sollte intakte Rinde nicht versuchsweise entfernt werden.

Ein Befall kann lebendes Gewebe schädigen und die Vitalität beeinträchtigen. Durch eine Weißfäule kann der Pilz außerdem das Holz abbauen und damit auch die Stand- und Bruchsicherheit beeinträchtigen. Diese unterschiedlichen Wirkungen sind bei der Untersuchung auseinanderzuhalten. [1, S. 50–53]

Ochsenzunge: Pilzbefall bedeutet nicht automatisch raschen Stabilitätsverlust

Die Ochsenzunge, auch Leberpilz genannt (Fistulina hepatica), kommt vor allem an Eichen und gelegentlich an Edelkastanien vor. Ihre fleischig wirkenden, rötlichen Fruchtkörper erscheinen häufig im unteren Stammbereich.

Die Ochsenzunge kann eine Braunfäule und auch Moderfäule verursachen. Die Art verdeutlicht, warum Pauschalurteile über Baumpilze nicht tragen: Holzverfärbung, Holzabbau und Verlust an Tragfähigkeit sind unterschiedliche Befunde. Ein Befall kann über längere Zeit bestehen, ohne unmittelbar eine Fällung zu erfordern. Maßgeblich bleibt der Zustand des konkreten Baumes. [1, S. 35–37]

Ochsenzunge am Stammfuss

Weißfäule, Braunfäule und Moderfäule: Was wird im Holz verändert?

Holzabbauende Pilze können Bestandteile der Holzzellwände verändern und dadurch die mechanischen Eigenschaften des Holzes beeinträchtigen. Dabei werden verschiedene Fäuletypen unterschieden:

  • Weißfäule: Der Pilz kann sowohl Lignin als auch Cellulose und Hemicellulosen abbauen. Fortgeschritten geschädigtes Holz ist häufig aufgehellt und faserig.
  • Braunfäule: Vor allem die Kohlenhydrate der Zellwand werden abgebaut. Zurück bleibt ein brauner, ligninreicher Rest; fortgeschrittene Schäden zeigen häufig einen würfelartigen Zerfall.
  • Moderfäule: Beim Brandkrustenpilz bilden sich im frühen Abbaustadium Hohlräume in der Sekundärwand, einer tragenden Schicht der Holzzellen. Das Holz verliert dadurch an Festigkeit und kann unter Belastung spröde brechen. Ein zunächst verbleibendes, ligninreiches Gerüst kann den Festigkeitsverlust bei Schallmessungen verdecken. Das erklärt, weshalb bei diesem Befall die Auswahl und Interpretation des Untersuchungsverfahrens besonders wichtig sind. [9]

Die Bezeichnungen beschreiben den Holzabbau. Sie sind keine Gefahrenklassen. Wie kritisch ein Schaden ist, hängt zusätzlich von seiner Lage und Ausdehnung, dem verbleibenden tragenden Holz, der Belastung und den Reaktionen des Baumes ab. [1, S. 8–10]

Wann ist ein Baum mit Pilzbefall gefährdet?

Bei der Sicherheitsbewertung müssen zwei Fragen unterschieden werden: Kann der Baum im Boden ausreichend verankert bleiben? Und können Stamm und Äste die auf sie wirkenden Lasten tragen? Die erste Frage betrifft die Standsicherheit, die zweite die Bruchsicherheit.

Ein Befall im Wurzelstock führt daher zu anderen Untersuchungsfragen als eine Fäule in einem ausladenden Starkast. Ebenso wichtig sind Kronenaufbau, Baumhöhe, Standortverhältnisse, frühere Eingriffe und die Nutzung der Umgebung.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen zusätzliche Befunde wie frische Risse, abgebrochene Starkäste, eine neu aufgetretene Schiefstellung oder erkennbare Bewegungen des Wurzeltellers. Solche Veränderungen sollten kurzfristig fachlich beurteilt werden. Bei Anzeichen einer akuten Gefahr sind betroffene Bereiche bis zur Klärung nicht weiter zu nutzen. Besteht unmittelbare Gefahr für Personen, verständigen Sie die Feuerwehr über den Notruf 112. Halten Sie Abstand und bringen Sie sich nicht selbst in Gefahr.

Die Bewertung darf sich weder auf eine grüne Krone noch auf den Pilznamen beschränken. Bäume können auf Schäden mit zusätzlichem Holzzuwachs und Veränderungen ihres Wurzelsystems reagieren. Ob diese Reaktionen den vorhandenen Holzabbau ausreichend ausgleichen, muss am Einzelfall beurteilt werden. [1–3, 6]

Von der Baumkontrolle zur eingehenden Untersuchung

Am Anfang steht die fachkundige Untersuchung des gesamten Baumes. Bei der Baumkontrolle werden Krone, Stamm, Stammfuß, sichtbare Wurzeln und Umfeld auf auffällige Merkmale geprüft. Pilzfruchtkörper werden dabei zusammen mit weiteren Befunden dokumentiert und bewertet.

Bleiben begründete Zweifel an der Verkehrssicherheit oder an den erforderlichen Maßnahmen, ist eine eingehende Untersuchung notwendig. Sie kann beispielsweise eine nähere Betrachtung schwer einsehbarer Bereiche, eine gezielte Untersuchung von Wurzeln oder technische Messungen umfassen. Der Nachweis eines Pilzes führt dabei nicht automatisch zu einem bestimmten Geräteeinsatz. Die Untersuchungsmethode muss die konkrete Frage beantworten können. [6, 7]

Weitere Informationen zur Vorgehensweise finden Sie auf unserer Seite zur Baumkontrolle.

Was leisten Resistograph, Schalltomographie und Zugversuch?

Technische Verfahren liefern unterschiedliche Informationen:

  • Eine Bohrwiderstandsmessung erfasst den Widerstand entlang eines schmalen Bohrweges. Sie kann Hinweise auf Veränderungen der Holzstruktur oder Hohlräume an dieser Messstelle geben.
  • Die Schalltomographie stellt Unterschiede der Schallausbreitung in einem untersuchten Querschnitt dar. Daraus entsteht ein berechnetes Bild, das fachlich interpretiert werden muss.
  • Ein Zugversuch untersucht die Reaktion des Baumes auf eine kontrollierte Belastung. Die Messwerte werden im Zusammenhang mit der untersuchten Sicherheitsfrage und der angesetzten Belastung bewertet.

Keines dieser Verfahren ersetzt die Untersuchung des Baumes und die Einordnung der Befunde. Ein farbiges Tomogramm ist beispielsweise keine unmittelbare Karte aus „gesundem“ und „gefährlichem“ Holz. Messanordnung, Stammgeometrie, Risse und andere Holzeigenschaften können das Ergebnis beeinflussen. Bei bestimmten Fäulen, unter anderem beim Brandkrustenpilz, bestehen zudem besondere Grenzen der schalltomographischen Erfassung. [7, 8]

Das Baumsachverständigenbüro Alexander Kraus verfügt über eigene Geräte für Bohrwiderstandsmessungen, Schalltomographie und Zugversuche. Welche davon eingesetzt werden, ergibt sich aus dem Befund und der Fragestellung. Die Ergebnisse werden im Baumgutachten mit der fachlichen Bewertung und den Handlungsempfehlungen zusammengeführt.

Pilz an Stammfuss

Pilz am Baum entdeckt: Was sollten Eigentümer tun?

Dokumentieren Sie den Fund möglichst vor einer Veränderung der Fundstelle. Hilfreich sind Fotos des gesamten Baumes, des Stammfußes, des Fruchtkörpers und seiner Unterseite sowie das Datum der Aufnahme. Notieren Sie außerdem, ob der Pilz erstmals aufgefallen ist oder bereits in früheren Jahren beobachtet wurde.

Teilen Sie bekannte Vorschäden, frühere Gutachten und Veränderungen im Baumumfeld mit. Dazu gehören insbesondere Bauarbeiten, Wurzelverletzungen, Bodenverdichtung oder größere Schnittmaßnahmen. Diese Informationen können für die Bewertung wichtiger sein als ein weiteres Nahfoto des Pilzes.

Entfernen Sie Fruchtkörper nicht vorschnell. Ihr Abschneiden beseitigt weder das bereits im Holz vorhandene Pilzgeflecht noch stellt es verlorene Holzfestigkeit wieder her. Gleichzeitig gehen wichtige Bestimmungsmerkmale verloren. Auch das Auskratzen einer Höhlung oder das Freilegen von Wurzeln in Eigenregie ist keine geeignete Ersatzuntersuchung.

Kann ein Baum trotz Pilzbefall erhalten bleiben?

Ein Erhalt kann möglich sein, wenn die verbleibende Sicherheit und die weitere Entwicklung des Baumes dies zulassen. Je nach Befund kommen eine dokumentierte Beobachtung, angepasste Kontrollabstände, gezielte Maßnahmen an der Krone oder Änderungen der Nutzung des Umfeldes in Betracht. Eine Maßnahme muss dabei zur Ursache und zum Ort der Gefährdung passen.

So ist eine Kroneneinkürzung nicht automatisch die passende Antwort auf jede Wurzelfäule. Ebenso wenig wird eine nicht ausreichend bekannte Schädigung dadurch beherrschbar, dass lediglich häufiger kontrolliert wird. Maßnahmen und Kontrollen benötigen eine fachliche Begründung sowie einen klaren Zweck.

Eine Fällung kann erforderlich werden, wenn ein relevantes Risiko besteht und geeignete Erhaltungsmaßnahmen keine ausreichende Sicherheit erwarten lassen. Die Entscheidung sollte nachvollziehbar auf Befunden beruhen. Ökologische Werte und Möglichkeiten des Baumerhalts gehören in diese Abwägung. [3, 6, 7]

Baumstamm mit Pilzen und Moos

Häufige Fragen zu Baumpilzen

Ist jeder Pilz am Baum gefährlich?

Nein. Pilze unterscheiden sich in ihrer Lebensweise und in ihren Auswirkungen auf das Holz. Auch bei holzabbauenden Arten hängt die Bedeutung für die Sicherheit vom konkreten Befall und vom Zustand des Baumes ab. Ein Fund sollte fachlich eingeordnet werden, ohne aus dem Pilznamen allein eine Fällentscheidung abzuleiten.

Kann ein Baum mit dichter, grüner Krone trotzdem umstürzen?

Ja. Solange noch ausreichend funktionsfähige Leitungsbahnen vorhanden sind, kann die Krone versorgt werden, obwohl tragende Bereiche bereits geschädigt sind. Vitalität und mechanische Sicherheit müssen deshalb getrennt bewertet werden.

Sind Pilze im Rasen neben dem Baum ein Zeichen für Wurzelfäule?

Nicht zwangsläufig. Die Nähe zum Stamm allein belegt keinen Befall des Baumes. Umgekehrt können Fruchtkörper wurzelbesiedelnder Arten in einiger Entfernung vom Stamm erscheinen. Entscheidend sind die Pilzbestimmung und die Zuordnung zur Fundstelle. [1, S. 54–57]

Ist der Befall verschwunden, wenn im nächsten Jahr keine Pilze mehr erscheinen?

Nein. Nicht jede Art bildet dauerhaft sichtbare oder jedes Jahr neue Fruchtkörper. Ein bereits dokumentierter Befall bleibt deshalb auch dann für die weitere Beurteilung wichtig, wenn bei einer späteren Kontrolle keine Fruchtkörper gefunden werden.

Kann man den Baum anhand eines Fotos für sicher erklären?

Ein Foto kann bei der ersten Einordnung eines Fruchtkörpers helfen. Die räumliche Ausdehnung einer Fäule, die Tragfähigkeit des Holzes und die Verankerung der Wurzeln lassen sich daraus jedoch nicht zuverlässig beurteilen. Eine belastbare Sicherheitsbewertung benötigt eine zum Befund passende Untersuchung vor Ort.

Pilzbefall fachlich einordnen lassen

Wenn Sie Pilze an einem Baum entdeckt haben, unterstützen wir Sie bei der Klärung der nächsten Schritte: Welche Art könnte vorliegen? Welche Bereiche des Baumes müssen untersucht werden? Ist eine weitere Beobachtung ausreichend oder sind Maßnahmen erforderlich?

Für eine erste Anfrage helfen der Baumstandort, die Baumart, soweit bekannt, und aussagekräftige Fotos. Bitte ergänzen Sie Angaben zur Nutzung der Umgebung und zu bereits erkennbaren Schäden. Auf dieser Grundlage stimmen wir den erforderlichen Untersuchungsumfang mit Ihnen ab.

Sie erreichen uns telefonisch unter 06431 9778411, per E-Mail an a.kraus@baumsachverstaendiger.info oder über unsere Kontaktseite.

Literatur und fachliche Grundlagen

[1] Lichtenauer, Antje; Kowol, Thomas; Dujesiefken, Dirk (2013): Pilze bei der Baumkontrolle – Erkennen wichtiger Arten an Straßen- und Parkbäumen. 4., durchgesehene und überarbeitete Auflage. Haymarket Media, Braunschweig. ISBN 978-3-87815-199-9.

[2] Reinartz, Hermann; Schlag, Michael (1999): Schadwirkung und Kontrolle von Lackporlingsarten. Neue Landschaft, Heft 2/1999. Onlinefassung

[3] Reinartz, H.; Schlag, M.; Wessolly, L. (1996): Schadwirkung und Beurteilung des Riesenporlingsbefalls an Buche. Stadt und Grün, Heft 10/1996, S. 692–696. Onlinefassung

[4] Rigling, Daniel (2021): Baumschwämme. St. Galler Naturschutznachrichten, S. 28–32. Onlinefassung der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL auf waldwissen.net: Onlinefassung

[5] Brandstetter, Martin / Bundesforschungszentrum für Wald: Pilzfächer über 44 Baumpilze: Biologie, Erstbestimmung und Risiko. waldwissen.net, veröffentlicht am 04.06.2009, aktualisiert am 02.01.2025: Onlinefassung

[6] Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. (FLL) (2020): Baumkontrollrichtlinien – Richtlinien für Baumkontrollen zur Überprüfung der Verkehrssicherheit. FLL, Bonn.

[7] Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. (FLL) (2013): Baumuntersuchungsrichtlinien – Richtlinien für eingehende Untersuchungen zur Überprüfung der Verkehrssicherheit von Bäumen. FLL, Bonn.

[8] André, Tanja (2024): Blick in den Baum. Baumzeitung, Heft 5/2024, ab S. 21.

[9] Schwarze, F. W. M. R.; Lonsdale, D.; Mattheck, C. (1995): Detectability of wood decay caused by Ustulina deusta in comparison with other tree-decay fungi. European Journal of Forest Pathology, Band 25, Heft 6–7, S. 327–341. DOI: 10.1111/j.1439-0329.1995.tb01348.x

[10] Royal Botanic Gardens, Kew: Index Fungorum. Namenseintrag Fomitopsis betulina (Bull.) B.K. Cui, M.L. Han & Y.C. Dai; Registrierungsnummer 812646. Namenseintrag im Index Fungorum

Stand: 18. Oktober 2026.

 

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Autor

Alexander Kraus

Sachverständiger für Baumpflege und Baumsanierung. Seit 1992 in der Baumpflege tätig, Fachagrarwirt Baumpflege und Baumsanierung sowie European Tree Technician.

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